Innere Musik: Gedichte

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Innere Musik: Gedichte

Innere Musik: Gedichte

Ist nicht jedes gelungene Gedicht eine amouröse Verwicklung mit der Sprache? Das fragte Tom Schulz in seinem Nachwort zu Nicolas Borns Liebesgedichten, und es mag als geheime Devise des Autors stehen. Dass er sich von einer rein postmodernen Lyrik und ihren lexikalischen Fachsprachen abwendet, führt zu geglückten Figuren – wie seine Variationen auf Gedichte der Romantik und des Barock zeigen -, zu einem dunklen Traum in heller Nacht. Dichten heißt, wie Paul Valéry formulierte, Voraussehen.

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Ein Kommentar auf “Innere Musik: Gedichte

  1. 2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Geht ins Auge und flirrt darin herum, 4. Dezember 2012
    Rezension bezieht sich auf: Innere Musik: Gedichte (Gebundene Ausgabe)

    “in den schlafphasen vertiefte sich
    das Wasser, es wuchs über die Ärmel
    Kanäle hinaus, in ozeanischer Form

    Musik, die Gesangsfiguren, du konntest
    was von dir schwamm, während
    Hebung & Senkung, ausufern lassen”

    Die Schönheit und Sinnhaftigkeit vieler Gedichte ergibt sich einfach, ist unwillkürlich. In der modernen/heutigen Poesie, die neue Wege betritt und den Begriff des Gedichts letztlich nicht mehr nur auf dem Rücken der Sprache, sondern überall an und in ihr ansiedelt, kommt es jedoch öfters vor, dass Gedichte etwas Puzzleartiges oder auch Übereloquentes haben. Auch die Poesie von Tom Schulz neigt dazu, sehr bunte Puzzles zu produzieren, bei denen man sich auf die Zusammenhänge genauso konzentrieren muss, wie auf die einzelnen Teile. Allerdings sind seine Gedichte nicht wirklich kryptisch oder intelligibel, sondern mehr wie eine Collage, bei der jedes der Teile leicht, und doch deutlich, von den anderen abweicht.

    “& mit den Füßen
    entfernte sich der Kontinent
    deiner blütenweißen Haut

    wie Schnee trug ich das Delikt
    an die Wiege, ich schmiegte
    mich zuhauf an lauter Schmetterlinge
    die zuhauf in Schönheit starben”

    Zugute halten muss man ihm: er scheut sich nicht, sprachliches Konfetti zu werfen. Und vielleicht hofft er ja, dass wir uns fragen, welches Bild dieses Konfetti einmal gewesen ist. Doch da ist auch dieses Gefühl im Hinterkopf, diese schwer zu ignorierenden Fragen: “Wohin will diese Vervielfältigung von Sprache” und “Warum wurde sie unter diesem Titel vereint?”, die einem die Erschließung der scheinbar auf mehreren Ebenen operierenden Zusammenhänge nicht erleichtern. Als wären die Blaupausen mehrerer Gedichte durcheinandergeraten, haben viele Texte die Neigung zu einer Art Kerzentropfenpoesie, wo Bild auf Bild folgt und man folgt und folgt, verliert die Flamme aus dem Auge und irgendwann hat man sich komplett verfahren. Dann passiert es, dass man das immens versunkene, seltsame Gefühl hat, man käme mit geschlossenen Augen irgendwie besser voran, nur spürend die wenigen unüberseh/hörbaren Wendungen und Momente in den Gedichten.

    “ich spürte
    den Wind, das Unerreichbare”

    “tritt
    sie aus einem Regen in ein Niederschlaggebiet”

    Das Gefühl für Sprache und Akzente kann man Schulz ja nicht absprechen, im Gegenteil: es ist unerhört schön, es immer wieder zu bemerken, es ist ein Evergreen, durch den ganzen Band. Und es ist auch nicht so, dass man ihn für einen Magier ohne Ideen hält; eigentlich kann man spüren, beinahe sehen, wie sehr es Ihn zu den wahren Bestandteilen dessen bewegt, dem er einige Ansätze, Eindrücke, Annäherungen und Versuche widmet. Aber er traut sich sehr selten wirklich hineinzugehen in die Dinge, nicht nur Optik zu betreiben, sondern auch Wesenheiten zu entdecken; vielleicht weil er dies nicht als zentralen Punkt seines Schreibens betrachtet, vielleicht weil er Angst hat die Leichtigkeit seiner Stilworte zu verlieren, die, losgelassen, sofort wie Schmetterlinge abheben, einzeln und unüberbrückbar.

    “wir lauschen den Holzinsekten
    am Stamm, die Stille

    müsste man mieten können.”

    Innere Musik, das Phänomen, die Assoziation zu diesem Titel steckt in vielen Gedichten und seine Einfachheit wirft große Schatten – und etwas Licht – in die Zwischenräume von Welt und Wahrnehmung. Vieles macht sie (die Welt) für uns ja nicht gänzlich, aber eben ansatzweise aus; die komplexen inneren Strukturen, mit denen wir ihre Wirkung chiffrieren (ins Unterbewusstsein, die Gedanken und die Erinnerung), aufzudecken, ist eine der Aufgaben des Gedichtes. So schmiedet es blitzartige Erkenntnisse, die wir erleben; nur antizipieren wir sie eher, als dass wir sie direkt aus dem Wortlaut herauslesen. Und vielleicht ist das der Knackpunkt in diesem reichen, aber eben doch leicht abgewandten Buch und seinen Gedichten: Dass darin zu sehr die wortwörtliche Zuwendung an den Leser gesucht wird, der sich sprachlich angesprochen fühlt – und vielleicht braucht es ja auch nicht mehr – aber eben nicht auf einer unwillkürlichen, hindernislosen Ebene.

    “vor Mitternacht schneit es
    in mein Herz”

    Keiner weiß, was Gedichte wirklich sind, was sie alles können, und wir lernen es immer wieder von denen, die den Mut, den Wunsch und die Geduld haben, welche zu schreiben. Dass dieses Buch weder eine Verschwendung von Lesezeit ist, noch einen ratlos zurücklässt, habe ich hoffentlich vermitteln können. Denn dieser Band gibt einem einen Begriff davon, was alles auf den nicht linearen Bahnen der Sprache möglich ist, bewirkt werden kann, und dass Gebiete darin sind, auf denen…

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